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Der Begriff Sayaw (gesprochen „Sajao", Cebuano für Tanz) bezeichnet in der philippinischen Kampfkunst Escrima (auch Eskrima, Kali oder Arnis) festgelegte Formen, die Schrittfolgen mit ein- oder beidhändiger Waffenführung kombinieren, eine Art kämpferische Choreografie (das japanische Gegenstück ist die bekanntere Kata). 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                   © Tanja Konrad (Bild rechts)

Ursprünglich war Escrima eine Kampfkunst zur Verteidigung gegen einheimische Angreifer wie gegen Invasoren aus anderen Kulturkreisen, es gab jedoch kein einheitliches System, sondern viele kleine Familienstile mit unterschiedlichen Vorlieben und Schwerpunkten. Seit 2010 Nationalsport auf den Philippinen, wird die „Kunst der wirbelnden Stöcke“ hierzulande auf der einen Seite bis zum Vollkontakt oder unter dem Gesichtspunkt der Selbstverteidigung ausgeübt, auf der anderen Seite profitiert man zunehmend auch in Reha und Therapie von ihren gesundheitsfördernden Aspekten. Und auch im tänzerischen Bereich spielen Stocktanz und Rhythmus-Schulungen mit Stöcken eine immer größer werdende Rolle.

 

Während in Partnerübungen die unerlässliche Rückmeldung über das Funktionieren einer Kampfkunst erfolgt, erlauben Solo-Formen die volle Konzentration auf die eigene Person und gewähren die Möglichkeit, zentrale Bewegungsabfolgen und Reaktionsmuster auch in Abwesenheit eines Trainingspartners üben und vertiefen zu können. Ein- oder beidhändig, kraftvoll oder meditativ ausgeführt, sorgen sie für innere Sammlung und machen Zentrierung erfahrbar. Die Waffe als Verlängerung und zunehmend Teil des Körpers bringt Kraftentwicklung und Erdung unmittelbar in den Fokus, während die Arbeit mit verschiedenen Waffengattungen Experimente mit Unterschieden (Gewicht, Reichweite, Wucht), aber auch mit Gemeinsamkeiten (Schlagwinkel, Körperausrichtung) erlaubt. 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                   © Tanja Konrad (Bild Mitte)

 

Durch Innere Kampfkünste wie Qigong, Yiquan und Tai Chi und ihre Sichtweise auf die Struktur des Körpers ergeben sich neue, erweiterte Blickwinkel auf die philippinischen Formen. Aber nicht nur asiatische Systeme halten wertvolles Wissen bereit: Erkenntnisse aus dem Modernen Tanz (vgl. Konzepte von Rudolf von Laban und Irmgard Bartenieff) und Körperarbeit wie Body-Mind Centering zeigen, dass es sich lohnt, über den Tellerrand hinauszuschauen und nach allgemeinen Prinzipien zu suchen, die unterschiedliche Aspekte dieser traditionellen Übungsfolgen hervorheben und ihre heilsame Wirkung vertiefen.

 

Daraus ist mit Körperarbeit mit Stock und Schwert ein eigenes Unterrichtsformat entstanden, dessen Schwerpunkt auf Bewegungselementen mit Stock oder Kurzschwert, Espada y Daga (Kurzschwert und Linkehanddolch) oder auch Langstock liegt. Wir nutzen verschiedene Ebenen (z. B. horizontal, vertikal, diagonal) und Themen (z. B. Dialog oder Körper und Raum), um eine Verbesserung der Körperwahrnehmung zu erreichen, eine Integration der verschiedenen Teile in eine harmonische Gesamtstruktur. Dabei geht es nicht um eine Anhäufung von Techniken, sondern um individuelles Spüren und gemeinsames Forschen. 

 

Häufige Fragen:

 

Was muss ich mitbringen? Einfache Sportkleidung und Hallenturnschuhe genügen, Rattanstöcke (70 cm Länge, ein Paar pro Teilnehmer/in) und Trainingsschwerter (ggf. auch Langstöcke von ca. 170 cm Länge) können ausgeliehen werden.

 

Was ist der Unterschied zu Tai-Chi-Waffenformen? Die philippinischen Formen sind häufig (nicht immer) kürzer und werden gewöhnlich dynamischer ausgeführt (wobei es natürlich auch bei Tai-Chi-Formen je nach Lehrer bzw. Stil Unterschiede gibt). Zwar üben auch wir bestimmte Aktionen in einer bestimmten Reihenfolge und achten auf die Körperstruktur, allerdings experimentieren wir mehr und lassen Themen und Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen in unser Formentraining einfließen.