Escrima

 

Aktuell biete ich keinen Gruppenunterricht in reiner Stockkampfkunst mehr an, da Escrima jedoch weiterhin eine zentrale Grundlage meiner Körperarbeit mit Stöcken bildet (und ich es nach wie vor trainiere), finden sich hier auch ein paar Informationen zu diesem Thema.

 

Escrima (auch Kali oder Arnis) ist eine stark rhythmisch geprägte Stockfechtkunst mit philippinischen Wurzeln (oft „Kunst der wirbelnden Stöcke" genannt), die überwiegend mit Rattanstöcken ausgeführt wird. Ursprünglich Kriegskunst zur Verteidigung gegen einheimische Angreifer wie gegen Invasoren aus anderen Kulturkreisen, gab es nie ein einheitliches Escrima-System, sondern viele kleine Familienstile mit Ähnlichkeiten und Überschneidungen, aber auch mit unterschiedlichen Vorlieben und Schwerpunkten. Seit 2010 Nationalsport auf den Philippinen, wird diese faszinierende Stockkampfkunst hierzulande auf der einen Seite bis zum Vollkontakt oder unter dem Gesichtspunkt der Selbstverteidigung ausgeübt, auf der anderen Seite profitiert man zunehmend auch in Reha und Therapie von ihren gesundheitsfördernden Aspekten.

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                     © Tanja Konrad (Bild Mitte)

Neben den am häufigsten verwendeten Einzel- und Doppelstöcken von ca. 50-90 cm Länge gibt es auch längere und kürzere Varianten für Disziplinen wie Langstock oder Espada y Daga (Schwert und Linkehanddolch) und andere mehr. Häufige Elemente des traditionellen Trainings sind eine rhythmisch geprägte Schlagschule mit Doppelstöcken (Sinawali), festgelegte und zunehmend freie Schlag-Block-Abfolgen als Partnerübungen und Solo-Formen im Sinne einer kämpferischen Choreografie mit unterschiedlichen Waffengattungen (Sayaw). 

 

Sanfte Körperarbeit vs. kriegerische Kampfkunst oder: Warum Stöcke?

 

Die Körperarbeit mit Stöcken bietet Vorteile und Qualitäten, die auch das Training von Stockkampfkunst mit sich bringt, jedoch ohne das Verletzungsrisiko. Die Qualität der Bewegung mit Stöcken ist anders als ohne: Ich kann Energie (im weiteren Sinne Impulse) bewusster abgeben oder aufnehmen, je nach Situation ist Flexibilität gefragt (viele Aktionen können gleichermaßen Angriff und Verteidigung sein). Der Stock wirft mich immer auf mich selbst zurück: Er vergrößert meinen Radius (Verdichtung des Raumes, vgl. Kinesphäre), gleichzeitig muss ich im Gleichgewicht bleiben, brauche eine gute Erdung (bewusste Rückverbindung zu den Füßen, Abdruck vom Boden, Kraft aus der Hüfte) und Zentrierung (z. B. Verbindung der Hände mit meiner Zentrallinie), um dem Stock nicht „hinterherzufallen“. Deshalb passen Stöcke und achtsame Körperarbeit so hervorragend zusammen.